Endocannabinoid-System und Darmflora

Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein körpereigenes Regulationsnetzwerk, das wesentlich zur Homöostase beiträgt. Es umfasst endogene Lipidmediatoren wie Anandamid (AEA) und 2-Arachidonoylglycerol (2-AG), die Rezeptoren CB1 und CB2 sowie Enzyme, die Synthese und Abbau steuern (u. a. FAAH und MAGL). Im Verdauungstrakt ist das ECS besonders dicht vertreten und beeinflusst zentrale Darmfunktionen: Motilität und Sekretion, die Integrität der intestinalen Barriere sowie immunologische Signalwege. Damit wirkt das System regulierend auf Prozesse, die bei funktionellen Beschwerden (z. B. erhöhte viszerale Sensitivität) und bei entzündlichen Darmerkrankungen relevant sind. Moderne Forschung erweitert das klassische ECS zum „Endocannabinoidom“ (eCBome), das zusätzliche Rezeptoren und Signalachsen einschließt, etwa TRP-Kanäle, PPAR-Rezeptoren und weitere G-Protein-gekoppelte Rezeptoren. In diesem erweiterten Rahmen wird auch die bidirektionale Wechselwirkung zwischen Darmmikrobiom und ECS betrachtet: Mikrobielle Metabolite können endocannabinoide Signalwege modulieren, während das ECS über Barriere, Motilität und Immunantwort das mikrobielle Milieu mit prägt. CBD wird dabei als nicht-psychoaktiver Modulator im eCBome diskutiert; die klinische Evidenz für direkte Mikrobiom-Effekte bleibt jedoch insgesamt begrenzt und erfordert eine differenzierte Einordnung.
Philip Schmiedhofer, MSc

Autor

Philip Schmiedhofer, MSc

Inhaltsverzeichnis

Das Endocannabinoid-System kurz erklärt

Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein körpereigenes Regulationssystem, das eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der physiologischen Balance (Homöostase) spielt.

Bedeutung des Endocannabinoid-Systems im Verdauungstrakt

Der Verdauungstrakt zählt zu den Organen mit der höchsten Dichte an Komponenten des Endocannabinoid-Systems (ECS).

Wie hängen Darmmikrobiom und Endocannabinoid-System miteinander zusammen?

Die Beziehung zwischen Darmmikrobiom und Endocannabinoid-System (ECS) wird heute als bidirektionale Regulationsachse verstanden.

Wie beeinflussen Cannabinoide grundlegende Funktionen des Verdauungstrakts?

Cannabinoide beeinflussen eine Vielzahl zentraler Funktionen des Verdauungstrakts.

Wie sind Darmflora, Entzündung und Endocannabinoid-System miteinander verknüpft?

Die enge funktionelle Verknüpfung von Darmflora, Entzündungsprozessen und Endocannabinoid-System (ECS) stellt einen zentralen Mechanismus zur Aufrechterhaltung der intestinalen Homöostase dar.

Welche Rolle spielt CBD im Zusammenhang mit Darmgesundheit und Verdauung?

Cannabidiol (CBD) wird im Zusammenhang mit der Darmgesundheit zunehmend diskutiert, insbesondere aufgrund seiner nicht-psychoaktiven Eigenschaften und seiner vielfältigen molekularen Wirkmechanismen.

Was versteht man unter einem empfindlichen Darm aus funktioneller Sicht?

In diesem Kontext gewinnt das Zusammenspiel zwischen Darmmikrobiom, Entzündungsregulation und Endocannabinoid-System (ECS) besondere Bedeutung.

Warum ist der Enddarm besonders anfällig für entzündliche Beschwerden?

Der Enddarm (Rektum und Analkanal) stellt einen funktionell hochsensiblen Abschnitt des Verdauungstrakts dar.

Warum ist eine ganzheitliche Betrachtung der Darmgesundheit notwendig?

Die Darmgesundheit wird zunehmend als Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels zwischen Ernährung, Darmmikrobiom und körpereigenen Regulationssystemen wie dem Endocannabinoid-System (ECS) verstanden.

Welche integrative Perspektive ergibt sich für die Darmgesundheit?

Besonders das Konzept des Endocannabinoidoms (eCBome) prägt neue wissenschaftliche Ansätze und erweitert das Verständnis möglicher therapeutischer Zielstrukturen im Verdauungstrakt.

Das Endocannabinoid-System kurz erklärt

Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein körpereigenes Regulationssystem, das eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der physiologischen Balance (Homöostase) spielt. Es ist an einer Vielzahl grundlegender Prozesse beteiligt, darunter Schmerzverarbeitung, Immunantwort, Entzündungsregulation, Stoffwechsel, Stressreaktionen sowie die Steuerung von Funktionen im Verdauungstrakt.

Aus welchen zentralen Bestandteilen besteht das Endocannabinoid-System?

Klassisch besteht das ECS aus drei Hauptkomponenten:

Was sind Endocannabinoide und welche Funktion haben Anandamid und 2-AG?

Dabei handelt es sich um körpereigene, biologisch aktive Lipidmoleküle. Die beiden wichtigsten sind

Anandamid (AEA) und 2-Arachidonoylglycerol (2-AG). Sie werden bei Bedarf aus Membranlipiden gebildet und wirken lokal sowie zeitlich begrenzt.

Welche Rolle spielen CB1- und CB2-Rezeptoren im Endocannabinoid-System?

Die Effekte der Endocannabinoide werden vor allem über zwei G-Protein-gekoppelte Rezeptoren vermittelt:

  • CB1-Rezeptoren, die vor allem im zentralen und enterischen Nervensystem vorkommen und neuronale Signalübertragung modulieren.
  • CB2-Rezeptoren, die überwiegend auf Immunzellen und entzündungsrelevanten Strukturen exprimiert werden und immunmodulatorische Funktionen übernehmen.

Beide Rezeptortypen sind auch im Magen-Darm-Trakt weit verbreitet.

Welche Aufgaben übernehmen Synthese- und Abbauenzyme wie FAAH und MAGL?

Enzyme wie FAAH (Fatty Acid Amide Hydrolase) und MAGL (Monoacylglycerol-Lipase) steuern den Abbau von Anandamid bzw. 2-AG und begrenzen so die Signalwirkung der Endocannabinoide.

Was versteht man unter dem Endocannabinoidom (eCBome)?

Moderne Forschung zeigt, dass das ECS Teil eines deutlich komplexeren Netzwerks ist, das als Endocannabinoidom (eCBome) bezeichnet wird. Dieses umfasst neben Anandamid und 2-AG auch zahlreiche endocannabinoid-ähnliche Lipidmediatoren sowie weitere Zielstrukturen, darunter:

  • TRP-Kanäle (z. B. TRPV1),
  • nukleäre Rezeptoren wie PPARs,
  • weitere G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (z. B. GPR55).

Diese Erweiterung erklärt, warum Cannabinoide – insbesondere nicht-psychoaktive Substanzen wie CBD – vielfältige biologische Effekte entfalten können, ohne ausschließlich über klassische CB1- oder CB2-Rezeptoren zu wirken.

Wie funktioniert das Endocannabinoid-System im Rahmen der Homöostase?

Das Endocannabinoid-System arbeitet überwiegend bedarfsabhängig: Endocannabinoide werden nicht gespeichert, sondern bei physiologischer Störung oder Belastung lokal gebildet. Ziel ist es, über hemmende oder ausgleichende Signale übermäßige Aktivität – etwa bei Entzündung, Schmerz oder neuronaler Übererregung – zu begrenzen und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Diese regulierende Funktion macht das ECS zu einem zentralen Bindeglied zwischen Nervensystem, Immunsystem, Stoffwechsel und – wie im weiteren Verlauf dargestellt – dem Verdauungstrakt und dem Darmmikrobiom.

Bedeutung des Endocannabinoid-Systems im Verdauungstrakt

Der Verdauungstrakt zählt zu den Organen mit der höchsten Dichte an Komponenten des Endocannabinoid-Systems (ECS). Sowohl Cannabinoid-Rezeptoren als auch endogene Liganden und deren Stoffwechselenzyme sind entlang des gesamten Gastrointestinaltrakts nachweisbar. Diese breite Expression unterstreicht die zentrale Bedeutung des ECS für die Regulation gastrointestinaler Funktionen und die Aufrechterhaltung der intestinalen Homöostase.

Wo sind CB1- und CB2-Rezeptoren im Darm lokalisiert und funktionell eingebunden?

CB1- und CB2-Rezeptoren finden sich im enterischen Nervensystem, in epithelialen Darmzellen, auf Immunzellen der Mukosa sowie in glatter Muskulatur. Dadurch ist das ECS in mehrere Ebenen der Darmfunktion eingebunden: neuronale Steuerung, immunologische Regulation und Barrierefunktion. Diese integrative Position erlaubt es dem System, auf sehr unterschiedliche Reize – etwa Nahrungsaufnahme, mikrobielle Signale oder Entzündungsprozesse – abgestimmt zu reagieren.

Wie reguliert das Endocannabinoid-System die Darmmotilität und Sekretion?

Eine der zentralen Aufgaben des ECS im Verdauungstrakt ist die Modulation der Darmmotilität. Endocannabinoide wirken dabei überwiegend hemmend auf die neuronale Erregbarkeit des enterischen Nervensystems. Dies trägt zur Feinabstimmung von Peristaltik und Transitzeit bei und verhindert übermäßige motorische Aktivität. Parallel beeinflusst das ECS die Sekretion von Elektrolyten und Flüssigkeit in das Darmlumen, was für eine ausgewogene Verdauung und Stuhlkonsistenz von Bedeutung ist.

Welche Rolle spielt das ECS beim Schutz der intestinalen Barriere?

Das Endocannabinoid-System spielt zudem eine wichtige Rolle für die Integrität der intestinalen Schleimhautbarriere. Über Wirkungen auf Epithelzellen und Tight-Junction-Proteine trägt es zur Stabilisierung der Darmwand bei und kann die Durchlässigkeit gegenüber bakteriellen Bestandteilen begrenzen. Diese Schutzfunktion ist insbesondere im Kontext entzündlicher Prozesse relevant, da eine gestörte Barriere als zentraler Mechanismus bei chronischen Darmerkrankungen gilt.

Wie beeinflusst das Endocannabinoid-System Immunantworten und Entzündungen im Darm?

Immunzellen der Darmschleimhaut exprimieren vor allem CB2-Rezeptoren. Ihre Aktivierung ist mit einer Dämpfung proinflammatorischer Signalwege und einer Modulation der Zytokinfreisetzung verbunden. Das ECS wirkt damit nicht primär immunsuppressiv, sondern regulierend: Es begrenzt überschießende Entzündungsreaktionen, ohne die lokale Abwehrfunktion vollständig zu unterdrücken.

Welche Bedeutung hat das ECS bei funktionellen und entzündlichen Darmerkrankungen?

Aufgrund dieser vielfältigen Funktionen wird das ECS als ein zentrales Regulationssystem bei funktionellen Störungen des Verdauungstrakts sowie bei entzündlichen Darmerkrankungen betrachtet. Veränderungen in der endocannabinoiden Signalgebung werden in diesem Zusammenhang als adaptive Antwort auf Stress, Entzündung oder veränderte mikrobielle Reize interpretiert.

Insgesamt fungiert das Endocannabinoid-System im Verdauungstrakt als fein abgestimmtes Kontrollsystem, das Motilität, Barrierefunktion, Immunantwort und neuronale Signalübertragung miteinander verknüpft. Diese integrative Rolle bildet die Grundlage für das Verständnis der späteren Wechselwirkungen zwischen ECS, Darmmikrobiom und Cannabinoiden wie CBD.

Wie hängen Darmmikrobiom und Endocannabinoid-System miteinander zusammen?

Die Beziehung zwischen Darmmikrobiom und Endocannabinoid-System (ECS) wird heute als bidirektionale Regulationsachse verstanden. Beide Systeme beeinflussen sich gegenseitig und tragen gemeinsam zur Kontrolle von Entzündung, Barrierefunktion, Stoffwechsel und neuronaler Signalübertragung im Darm bei. In der neueren Literatur wird dieser funktionelle Zusammenhang zunehmend im Rahmen des erweiterten Endocannabinoidoms (eCBome) beschrieben.

Wie beeinflusst das Darmmikrobiom die endocannabinoide Signalgebung?

Experimentelle und klinisch-orientierte Studien zeigen, dass Zusammensetzung und metabolische Aktivität des Darmmikrobioms die endocannabinoide Signalgebung maßgeblich beeinflussen können. Veränderungen der mikrobiellen Vielfalt oder spezifischer bakterieller Metabolite gehen mit veränderten Konzentrationen von Endocannabinoiden und endocannabinoid-ähnlichen Lipiden einher. Diese Lipidmediatoren regulieren wiederum Prozesse wie Darmpermeabilität, Immunaktivität und neuronale Reizweiterleitung.

Welche Rolle spielen Dysbiosen für Veränderungen im Endocannabinoidom?

Insbesondere bei Dysbiosen – also einem Ungleichgewicht der Darmflora – werden Veränderungen im eCBome beobachtet, die mit erhöhter intestinaler Durchlässigkeit und proinflammatorischen Signalwegen assoziiert sind. Das ECS reagiert dabei offenbar adaptiv auf mikrobielle Reize, indem es versucht, die gestörte Homöostase auszugleichen.

Wie wirkt sich das Endocannabinoid-System auf die Zusammensetzung und Funktion der Darmflora aus?

Umgekehrt beeinflusst das Endocannabinoid-System auch die Bedingungen, unter denen das Darmmikrobiom existiert. Über seine Wirkung auf Motilität, Sekretion, Schleimhautdurchblutung und Barriereintegrität schafft das ECS ein mikroökologisches Milieu, das die Besiedlung und funktionelle Aktivität bestimmter Mikroorganismen begünstigen oder einschränken kann. Zudem moduliert das ECS immunologische Prozesse der Darmschleimhaut und wirkt so indirekt auf die mikrobielle Zusammensetzung ein.

Diese Rückkopplung erklärt, warum Störungen der endocannabinoiden Signalgebung nicht nur funktionelle Darmbeschwerden, sondern auch Veränderungen der Darmflora begleiten können.

Warum gilt das Endocannabinoidom als Schnittstelle zwischen Mikrobiom und Wirtsphysiologie?

Das Konzept des Endocannabinoidoms erweitert das klassische ECS um zahlreiche bioaktive Lipide, Rezeptoren und Enzyme, die teilweise direkt oder indirekt durch mikrobielle Metabolite beeinflusst werden. Dadurch entsteht ein komplexes Netzwerk, in dem Ernährung, Mikrobiom, Immunantwort und neuronale Regulation miteinander verknüpft sind. Das eCBome fungiert dabei als molekulare Schnittstelle zwischen mikrobiellen Signalen und Wirtsphysiologie.

Wie ist die klinische Evidenz zur Darmmikrobiom–ECS-Achse einzuordnen?

Die derzeitige Evidenzlage legt nahe, dass die Wechselwirkungen zwischen Darmmikrobiom und ECS eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von entzündlichen und funktionellen Darmerkrankungen spielen. Allerdings handelt es sich überwiegend um mechanistische und präklinische Erkenntnisse. Direkte kausale Zusammenhänge beim Menschen sind Gegenstand aktueller Forschung und bislang nur eingeschränkt belegt.

Zusammenfassend bildet die Darmmikrobiom–ECS-Achse ein dynamisches Regulationssystem, das wesentlich zur intestinalen Balance beiträgt. Dieses Verständnis ist entscheidend, um im weiteren Verlauf die potenzielle Rolle von Cannabinoiden – insbesondere CBD – im Kontext von Darmgesundheit und Mikrobiom differenziert einordnen zu können.

Wie beeinflussen Cannabinoide grundlegende Funktionen des Verdauungstrakts?

Cannabinoide beeinflussen eine Vielzahl zentraler Funktionen des Verdauungstrakts. Ihre Wirkungen werden überwiegend über das Endocannabinoid-System (ECS) und das erweiterte Endocannabinoidom vermittelt und betreffen insbesondere Darmmotilität, Sekretion, Barrierefunktion, viszerale Sensitivität sowie entzündliche Prozesse. Die vorhandene Evidenz stammt dabei überwiegend aus präklinischen Studien, wird jedoch durch einzelne klinische Beobachtungen ergänzt.

In welcher Weise modulieren Cannabinoide die Darmmotilität?

Ein gut belegter Effekt von Cannabinoiden ist die Regulation der intestinalen Motilität. Endogene Cannabinoide sowie phytogene Cannabinoide wirken im enterischen Nervensystem überwiegend hemmend auf die neuronale Erregbarkeit. Dies führt zu einer Reduktion der Peristaltik und einer Verlängerung der Transitzeit. Physiologisch trägt dieser Mechanismus zur Feinabstimmung der Verdauung bei, während er unter pathologischen Bedingungen – etwa bei entzündlich bedingter Hyperaktivität – eine stabilisierende Wirkung entfalten kann.

Einfluss auf Sekretion und Flüssigkeitshaushalt

Cannabinoide modulieren zudem die Sekretion von Elektrolyten und Wasser in das Darmlumen. Über neuronale und epitheliale Signalwege kann eine übermäßige Sekretionsaktivität gedämpft werden, was insbesondere im Zusammenhang mit diarrhöischen Beschwerden von Bedeutung ist. Auch hier steht weniger eine direkte therapeutische Wirkung im Vordergrund als vielmehr die homöostatische Regulation gestörter Prozesse.

Welchen Einfluss haben Cannabinoide auf Sekretion und Flüssigkeitshaushalt im Darm?

Ein weiterer zentraler Aspekt ist der Einfluss von Cannabinoiden auf die Integrität der Darmbarriere. Über Wirkungen auf Epithelzellen, Tight-Junction-Strukturen und entzündungsrelevante Signalwege können Cannabinoide zur Stabilisierung der Schleimhaut beitragen. Diese Effekte sind besonders in Modellsystemen entzündlicher Darmerkrankungen gut dokumentiert und werden als wichtiger Mechanismus zur Begrenzung bakterieller Translokation diskutiert.

Welche Rolle spielen Cannabinoide bei Immunmodulation und Entzündungsprozessen?

Cannabinoide wirken auf Immunzellen der Darmschleimhaut, insbesondere über CB2-vermittelte Signalwege. Die Aktivierung dieser Rezeptoren ist mit einer Abschwächung proinflammatorischer Zytokinantworten und einer Modulation der lokalen Immunaktivität verbunden. Dabei handelt es sich nicht um eine pauschale Immunsuppression, sondern um eine regulierende Anpassung überschießender Entzündungsreaktionen.

Wie beeinflussen Cannabinoide die viszerale Sensitivität und Schmerzverarbeitung?

Auch die Wahrnehmung viszeraler Reize wird durch Cannabinoide beeinflusst. Durch ihre Wirkung auf sensorische Neurone und neuronale Netzwerke des enterischen Nervensystems können sie die Empfindlichkeit gegenüber Dehnungs- und Schmerzreizen modulieren. Dieser Effekt ist insbesondere im Kontext funktioneller Darmbeschwerden von Interesse, bei denen eine erhöhte viszerale Sensitivität eine zentrale Rolle spielt.

Wie sind cannabinoide Effekte auf den Darm klinisch zu bewerten?

Trotz der breiten mechanistischen Evidenz ist die Übertragbarkeit auf den Menschen differenziert zu bewerten. Klinische Studien zeigen bislang vor allem symptomatische Effekte, etwa auf Schmerz, Übelkeit oder Stuhlgewohnheiten, während eindeutige krankheitsmodifizierende Wirkungen nicht konsistent belegt sind. Dies unterstreicht die Bedeutung einer vorsichtigen und evidenzbasierten Einordnung cannabinoider Effekte im Verdauungstrakt. Insgesamt wirken Cannabinoide im Darm nicht isoliert, sondern als Teil eines komplexen Regulationssystems, das neuronale, immunologische und epitheliale Prozesse miteinander verknüpft. Diese multifaktorielle Wirkung bildet die Grundlage für das wachsende wissenschaftliche Interesse an Cannabinoiden im Kontext von Darmgesundheit und funktionellen gastrointestinalen Störungen.

Wie sind Darmflora, Entzündung und Endocannabinoid-System miteinander verknüpft?

Die enge funktionelle Verknüpfung von Darmflora, Entzündungsprozessen und Endocannabinoid-System (ECS) stellt einen zentralen Mechanismus zur Aufrechterhaltung der intestinalen Homöostase dar. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass das ECS sowohl auf mikrobielle Reize reagiert als auch aktiv in die Regulation entzündlicher Prozesse im Darm eingebunden ist.

Wie wirken mikrobielle Signale als Trigger endocannabinoider Signalwege?

Die Darmflora beeinflusst das ECS über bakterielle Metabolite, strukturelle Bestandteile der Zellwand sowie indirekt über Veränderungen der intestinalen Barriere. Diese Signale modulieren die Synthese und den Abbau von Endocannabinoiden und endocannabinoid-ähnlichen Lipidmediatoren. Bei einer ausgewogenen Darmflora trägt diese Regulation zur Stabilisierung der Schleimhaut und zur kontrollierten Immunantwort bei.

Kommt es hingegen zu einer Dysbiose, werden vermehrt proinflammatorische Signale aktiviert. In diesem Kontext zeigen Studien eine veränderte Aktivität des ECS, die als adaptive Gegenregulation interpretiert wird. Das System versucht, überschießende Entzündungsreaktionen zu begrenzen und die Barrierefunktion wiederherzustellen.

Inwiefern fungiert das Endocannabinoid-System als Modulator intestinaler Entzündung?

Das Endocannabinoid-System wirkt im Darm überwiegend entzündungsregulierend. Besonders CB2-Rezeptoren auf Immunzellen der Mukosa spielen hierbei eine zentrale Rolle. Ihre Aktivierung ist mit einer Reduktion proinflammatorischer Zytokine und einer Modulation der Immunzellaktivität verbunden. Parallel beeinflussen endocannabinoide Signalwege die Rekrutierung von Immunzellen und die lokale Freisetzung entzündungsfördernder Mediatoren.

Diese Effekte sind in präklinischen Modellen entzündlicher Darmerkrankungen gut dokumentiert und deuten darauf hin, dass das ECS ein integraler Bestandteil der immunologischen Feinregulation im Darm ist.

Welche Bedeutung hat die Darmbarriere als Schnittstelle zwischen Mikrobiom und Entzündung?

Ein wesentlicher Vermittlungsmechanismus zwischen Darmflora und Entzündungsprozessen ist die intestinale Barriere. Das ECS trägt zur Stabilisierung der epithelialen Integrität bei, indem es Tight-Junction-Strukturen beeinflusst und die Permeabilität der Schleimhaut reguliert. Eine intakte Barriere begrenzt den Übertritt mikrobieller Bestandteile in das Gewebe und reduziert so entzündliche Reaktionen.

Bei gestörter Barrierefunktion kommt es vermehrt zur Translokation bakterieller Komponenten, was wiederum eine Aktivierung immunologischer Signalwege auslöst. In dieser Situation wird eine verstärkte endocannabinoide Aktivität als Teil eines kompensatorischen Schutzmechanismus beschrieben.

Wie ist das Zusammenspiel von Darmflora, Entzündung und ECS klinisch einzuordnen?

Die vorhandenen Daten sprechen dafür, dass Darmflora, Entzündung und ECS ein eng vernetztes Regulationssystem bilden. Während viele dieser Erkenntnisse aus präklinischen Studien stammen, zeigen auch klinische Beobachtungen, dass Veränderungen der Darmflora und entzündliche Prozesse häufig mit einer veränderten endocannabinoiden Signalgebung einhergehen.

Insgesamt fungiert das ECS als vermittelnde Instanz zwischen mikrobiellen Reizen und der immunologischen Antwort des Wirts. Dieses Zusammenspiel bildet die Grundlage für ein tieferes Verständnis chronisch-entzündlicher und funktioneller Darmerkrankungen und ist entscheidend für die spätere Einordnung potenzieller cannabinoidbasierter Ansätze im Kontext der Darmgesundheit.

Welche Rolle spielt CBD im Zusammenhang mit Darmgesundheit und Verdauung?

Cannabidiol (CBD) wird im Zusammenhang mit der Darmgesundheit zunehmend diskutiert, insbesondere aufgrund seiner nicht-psychoaktiven Eigenschaften und seiner vielfältigen molekularen Wirkmechanismen. Die wissenschaftliche Einordnung erfordert jedoch eine klare Differenzierung zwischen präklinischen Befunden, mechanistischen Annahmen und klinisch belegbaren Effekten beim Menschen.

Über welche Wirkmechanismen entfalten CBD Effekte im gastrointestinalen System?

CBD wirkt nicht primär über klassische CB1- oder CB2-Rezeptoren, sondern entfaltet seine Effekte über das erweiterte Endocannabinoidom. Dazu zählen unter anderem Interaktionen mit TRP-Kanälen, PPAR-Rezeptoren sowie indirekte Effekte auf den Abbau und die Verfügbarkeit endogener Cannabinoide. Über diese Signalwege kann CBD Prozesse beeinflussen, die für die Darmfunktion relevant sind, etwa neuronale Erregbarkeit, Immunaktivität und entzündungsassoziierte Signaltransduktion.

Welche präklinischen Hinweise gibt es zur Wirkung von CBD auf die Darmbalance?

In experimentellen Modellen zeigt CBD entzündungsmodulierende und barrierestabilisierende Effekte. Tierstudien und In-vitro-Untersuchungen deuten darauf hin, dass CBD unter entzündlichen Bedingungen zur Abschwächung proinflammatorischer Reaktionen beitragen und die Integrität der Darmschleimhaut unterstützen kann. Zudem werden Einflüsse auf die Darmmotilität und die viszerale Sensitivität beschrieben, insbesondere bei stress- oder entzündungsassoziierten Veränderungen.

Diese Befunde liefern mechanistische Hinweise, lassen jedoch noch keine direkten Rückschlüsse auf eine regulierende Wirkung von CBD auf die Darmflora oder die Verdauung beim Menschen zu.

Wie ist die klinische Datenlage zu CBD und Darmflora zu bewerten?

Die klinische Evidenz zu CBD und Darmbalance ist bislang begrenzt. Humanstudien mit isoliertem, niedrig dosiertem CBD zeigen keine konsistenten Veränderungen der Darmflora, der intestinalen Entzündungsmarker oder metabolischer Parameter. Auch Effekte auf die allgemeine Verdauungsfunktion sind bislang nicht eindeutig belegt. Dies spricht dafür, dass mögliche Wirkungen von CBD stark von Dosis, Anwendungsdauer, Ausgangszustand des Darms und begleitenden Faktoren wie Ernährung oder Stress abhängen.

Wichtig ist zudem die Abgrenzung zu Studien, in denen Cannabisprodukte mit mehreren Cannabinoiden untersucht wurden. Ergebnisse aus solchen Untersuchungen lassen sich nicht ohne Weiteres auf reines CBD übertragen.

Welche Bedeutung hat CBD für Menschen mit empfindlichem Darm?

Aus heutiger Sicht kann CBD nicht als allgemeiner Regulator der Darmflora oder der Verdauung angesehen werden. Vielmehr wird es als potenziell modulierender Faktor diskutiert, der unter bestimmten Bedingungen – etwa bei entzündlicher Aktivierung oder erhöhter viszeraler Sensitivität – Einfluss auf darmassoziierte Prozesse nehmen könnte. Diese Einordnung bleibt jedoch vorsichtig und evidenzbasiert.

Wie lässt sich CBD im Kontext von Darmbalance wissenschaftlich einordnen?

CBD ist im Kontext von Darmbalance und Verdauung kein klassisches Mikrobiom-Modulatorikum, sondern ein Wirkstoff mit komplexen, überwiegend indirekten Effekten auf das intestinale Regulationssystem. Die derzeitige Studienlage erlaubt eine mechanistische Einordnung, jedoch keine pauschalen klinischen Aussagen. Weitere gut konzipierte Humanstudien sind erforderlich, um die Rolle von CBD für die Darmgesundheit belastbar zu definieren.

Was versteht man unter einem empfindlichen Darm aus funktioneller Sicht?

Menschen mit einem empfindlichen Darm – etwa im Rahmen funktioneller gastrointestinaler Beschwerden oder stressassoziierter Verdauungsstörungen – zeichnen sich häufig durch eine erhöhte Reizempfindlichkeit des Darms, eine veränderte Darmmotilität und eine gesteigerte Wahrnehmung viszeraler Signale aus. In diesem Kontext gewinnt das Zusammenspiel zwischen Darmmikrobiom, Entzündungsregulation und Endocannabinoid-System (ECS) besondere Bedeutung.

Welche Rolle spielt das Endocannabinoid-System bei erhöhter Reizempfindlichkeit des Darms?

Ein empfindlicher Darm ist weniger als strukturelle Erkrankung, sondern vielmehr als funktionelle Dysregulation zu verstehen. Charakteristisch sind eine erhöhte neuronale Erregbarkeit im enterischen Nervensystem, eine verstärkte Immunaktivierung auf niedrigem Niveau sowie eine tendenziell beeinträchtigte Barrierefunktion. Diese Faktoren können sich gegenseitig verstärken und zu wechselnden Beschwerden wie Blähungen, Druckgefühl, Stuhlunregelmäßigkeiten oder abdominalen Schmerzen führen.

Rolle des ECS bei erhöhter Reizempfindlichkeit

Das Endocannabinoid-System übernimmt im Darm eine dämpfende, ausgleichende Funktion. Es moduliert die neuronale Signalübertragung, beeinflusst die viszerale Sensitivität und reguliert entzündliche Prozesse. Bei Menschen mit empfindlichem Darm wird angenommen, dass das ECS vermehrt aktiviert wird, um überschießende Reize zu begrenzen und das Gleichgewicht zwischen Nervensystem, Immunantwort und Darmfunktion aufrechtzuerhalten. Störungen dieser endocannabinoiden Regulation können dazu beitragen, dass Reize stärker wahrgenommen werden oder Entzündungsprozesse länger anhalten als physiologisch sinnvoll.

Wie beeinflusst die Darmflora die Sensitivität des Darms?

Auch das Darmmikrobiom spielt bei empfindlichem Darm eine zentrale Rolle. Veränderungen in der mikrobiellen Zusammensetzung können die Barrierefunktion schwächen und niedriggradige Entzündungsprozesse begünstigen. Diese mikrobielle Dysbalance beeinflusst wiederum das ECS, das auf solche Veränderungen reagiert und versucht, kompensatorisch einzugreifen. Daraus ergibt sich ein sensibles Gleichgewicht, das bei vulnerablen Personen leicht gestört werden kann.

Wie ist CBD bei empfindlichem Darm wissenschaftlich zu bewerten?

Vor diesem Hintergrund wird CBD häufig als potenziell unterstützender Faktor diskutiert. Aus wissenschaftlicher Sicht ist jedoch festzuhalten, dass CBD bei Menschen mit empfindlichem Darm nicht als regulierende Basistherapie der Darmflora oder Verdauung betrachtet werden kann. Vielmehr wird es als möglicher Modulator von Reizverarbeitung und entzündungsassoziierten Signalwegen eingeordnet, dessen Wirkung stark von individuellen Voraussetzungen abhängt. Belastbare klinische Belege für eine generelle Wirksamkeit liegen bislang nicht vor.

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich für Menschen mit funktionellen Darmbeschwerden?

Für Menschen mit empfindlichem Darm ist das ECS ein zentrales Regulationssystem, das zur Begrenzung übermäßiger Reizverarbeitung und entzündlicher Aktivierung beiträgt. Die enge Wechselwirkung mit dem Darmmikrobiom verdeutlicht, dass Darmgesundheit nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern das Ergebnis eines fein abgestimmten Zusammenspiels mehrerer biologischer Systeme ist. Dieses Verständnis bildet die Grundlage für eine differenzierte, ganzheitliche Betrachtung empfindlicher Verdauungsfunktionen.

Warum ist der Enddarm besonders anfällig für entzündliche Beschwerden?

Der Enddarm (Rektum und Analkanal) stellt einen funktionell hochsensiblen Abschnitt des Verdauungstrakts dar. In diesem Bereich treffen mechanische Belastung, hohe mikrobielle Dichte, immunologische Aktivität und eine ausgeprägte neuronale Innervation aufeinander. Entsprechend anfällig ist der Enddarm für entzündliche Reizzustände, die häufig mit lokalen Beschwerden wie Brennen, Druckgefühl, Schmerzen oder Stuhlunregelmäßigkeiten einhergehen.

Welche Rolle spielt das Mikrobiom im distalen Darmabschnitt?

Der Enddarm ist von einer besonders dichten und funktionell aktiven mikrobiellen Gemeinschaft besiedelt. Diese Mikroorganismen stehen in engem Kontakt mit der Schleimhaut und beeinflussen über ihre Metabolite sowohl die lokale Immunantwort als auch die Barrierefunktion. Eine stabile mikrobielle Balance trägt zur Schleimhautintegrität und zur kontrollierten Immunüberwachung bei.

Kommt es zu Veränderungen der Darmflora, etwa durch Entzündungen, wiederholte mechanische Reize oder veränderte Stuhlpassage, kann das lokale Gleichgewicht gestört werden. In der Folge werden immunologische Signalwege aktiviert, die entzündliche Prozesse im Enddarm begünstigen oder aufrechterhalten können.

Wie entstehen entzündliche Reizzustände im Enddarm?

Entzündliche Reizzustände im Enddarm sind häufig durch niedriggradige, aber persistierende Entzündungsreaktionen gekennzeichnet. Diese können mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Schleimhaut einhergehen, wodurch mikrobielle Bestandteile leichter mit dem Immunsystem in Kontakt treten. Die daraus resultierende Immunaktivierung verstärkt wiederum lokale Symptome und kann die Sensitivität der Region erhöhen.

Welche Funktionen übernimmt das Endocannabinoid-System im Enddarm?

Das Endocannabinoid-System (ECS) ist auch im Enddarm stark vertreten und übernimmt dort eine regulierende Funktion. CB1- und CB2-Rezeptoren finden sich im enterischen Nervensystem, in epithelialen Strukturen und auf Immunzellen der Schleimhaut. Über diese Signalwege beeinflusst das ECS sowohl die neuronale Reizverarbeitung als auch die lokale Immunantwort.

Bei entzündlichen Prozessen im Enddarm wird eine veränderte endocannabinoide Signalgebung beobachtet, die als kompensatorische Reaktion auf die Entzündung interpretiert wird. Ziel dieser Regulation ist es, überschießende Immunreaktionen zu begrenzen, die Schleimhautbarriere zu stabilisieren und die Sensitivität des Gewebes zu modulieren.

Wie beeinflussen sich Mikrobiom, Entzündung und ECS im Enddarm gegenseitig?

Das Zusammenspiel zwischen Darmmikrobiom, Entzündung und ECS ist im Enddarm besonders eng. Mikrobielle Signale beeinflussen die Aktivität des ECS, während dieses umgekehrt die Bedingungen für die mikrobielle Besiedlung und die Immunreaktion mitgestaltet. Störungen in einem dieser Systeme können sich rasch auf die anderen auswirken und so entzündliche Beschwerden verstärken.

Wie sind entzündliche Enddarmbeschwerden ganzheitlich einzuordnen?

Entzündliche Beschwerden im Enddarm sind selten monokausal. Vielmehr handelt es sich um multifaktorielle Geschehen, bei denen mechanische, mikrobielle, immunologische und neuronale Faktoren zusammenwirken. Das Endocannabinoid-System fungiert dabei als regulierende Schnittstelle, die versucht, das lokale Gleichgewicht wiederherzustellen.

Dieses Verständnis ist zentral, um entzündliche Enddarmbeschwerden nicht isoliert zu betrachten, sondern als Ausdruck einer gestörten lokalen Darmregulation, in die Darmmikrobiom und endocannabinoide Signalwege maßgeblich eingebunden sind.

Warum ist eine ganzheitliche Betrachtung der Darmgesundheit notwendig?

Die Darmgesundheit wird zunehmend als Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels zwischen Ernährung, Darmmikrobiom und körpereigenen Regulationssystemen wie dem Endocannabinoid-System (ECS) verstanden. Eine ganzheitliche Betrachtung berücksichtigt daher nicht einzelne Faktoren isoliert, sondern deren wechselseitige Beeinflussung – insbesondere im Hinblick auf funktionelle Beschwerden und entzündliche Prozesse im Verdauungstrakt.

Wie beeinflusst die Ernährung das Darmmikrobiom?

Die tägliche Ernährung zählt zu den stärksten Einflussfaktoren auf Zusammensetzung und Aktivität des Darmmikrobioms. Ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Kost fördert die Bildung kurzkettiger Fettsäuren und unterstützt eine stabile mikrobielle Diversität. Diese Metabolite wirken wiederum regulierend auf die Darmbarriere und die lokale Immunantwort. Umgekehrt können stark verarbeitete, fettreiche oder einseitige Ernährungsweisen das mikrobielle Gleichgewicht verschieben und entzündungsfördernde Signalwege begünstigen.

Welche Rolle spielt die Ernährung für das Endocannabinoid-System?

Neben dem Mikrobiom beeinflusst die Ernährung auch direkt das ECS. Fettsäurezusammensetzung, Kalorienzufuhr und Essverhalten wirken sich auf die Bildung endogener Cannabinoide und verwandter Lipidmediatoren aus. Bestimmte Ernährungsformen können die endocannabinoide Aktivität erhöhen oder normalisieren und so indirekte Prozesse wie Entzündungsneigung, Barrierefunktion und viszerale Sensitivität modulieren. Ernährung fungiert damit als verbindendes Element zwischen Mikrobiom und ECS.

Wie ist CBD in ein ganzheitliches Darmkonzept einzuordnen?

Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung ist CBD nicht als primärer Regulator von Darmflora oder Verdauung einzuordnen, sondern als potenziell ergänzender Faktor. Seine Wirkungen entfalten sich überwiegend über das erweiterte Endocannabinoidom und betreffen regulatorische Prozesse wie Entzündungsmodulation oder neuronale Reizverarbeitung. Die vorhandene wissenschaftliche Evidenz legt nahe, dass CBD seine Effekte nicht unabhängig vom individuellen Darmmilieu entfaltet, sondern in ein bestehendes Gleichgewicht eingebettet ist.

Warum sind Einzelmaßnahmen ohne Berücksichtigung des Gesamtsystems unzureichend?

Eine isolierte Betrachtung von CBD ohne Berücksichtigung von Ernährung und Mikrobiom greift daher zu kurz. Veränderungen der Darmflora oder der endocannabinoiden Signalgebung lassen sich nicht nachhaltig beeinflussen, wenn grundlegende Faktoren wie Ernährungsweise, Lebensstil und Stressbelastung unberücksichtigt bleiben. Umgekehrt können günstige Ernährungs- und Mikrobiom-bedingte Voraussetzungen die Wirksamkeit regulatorischer Systeme im Darm unterstützen.

Zusammenfassende Perspektive

Die ganzheitliche Sicht auf Ernährung, Mikrobiom und CBD verdeutlicht, dass Darmgesundheit das Ergebnis eines dynamischen Zusammenspiels mehrerer Ebenen ist. Ernährung bildet die Basis für ein stabiles Mikrobiom, dieses wiederum beeinflusst immunologische und neuronale Prozesse, die über das ECS reguliert werden. CBD kann innerhalb dieses Netzwerks als modulierender Faktor betrachtet werden, ersetzt jedoch keine grundlegenden Maßnahmen zur Förderung der Darmbalance. Dieses integrative Verständnis ist entscheidend für eine realistische und wissenschaftlich fundierte Einordnung cannabinoidbezogener Ansätze im Kontext der Verdauungsgesundheit.

Welche integrative Perspektive ergibt sich für die Darmgesundheit?

Die aktuelle Forschung betrachtet das Endocannabinoid-System (ECS) zunehmend nicht mehr isoliert, sondern als Teil eines erweiterten, hochdynamischen Regulationsnetzwerks, das eng mit dem Darmmikrobiom, immunologischen Prozessen und metabolischen Signalwegen verknüpft ist. Besonders das Konzept des Endocannabinoidoms (eCBome) prägt neue wissenschaftliche Ansätze und erweitert das Verständnis möglicher therapeutischer Zielstrukturen im Verdauungstrakt.

Welche Schwerpunkte setzt die aktuelle Forschung zu ECS, Darmmikrobiom und Entzündung?

Ein zentraler Fokus liegt auf der bidirektionalen Mikrobiom–eCBome-Achse. Studien zeigen, dass mikrobielle Metabolite die Konzentration und Aktivität endocannabinoider Lipidmediatoren beeinflussen können, während umgekehrt eCBome-Signalwege die Barrierefunktion, Immunantwort und neuronale Aktivität des Darms modulieren. Diese Zusammenhänge werden insbesondere bei entzündlichen Darmerkrankungen, funktionellen Darmstörungen sowie stressassoziierten Beschwerden untersucht.

Parallel dazu rückt die Barriereintegrität als Schlüsselmechanismus in den Mittelpunkt. Forschungsarbeiten analysieren, wie endocannabinoide Signalwege die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut regulieren und so entzündliche Kaskaden begrenzen können. In diesem Kontext werden auch mikrobielle Interventionen, etwa über gezielte Ernährungsstrategien oder Probiotika, im Zusammenspiel mit dem ECS untersucht.

Welche Rolle spielt das Endocannabinoidom in neuen Forschungsansätzen?

CBD wird derzeit vor allem als modulierender Wirkstoff innerhalb dieses komplexen Netzwerks erforscht. Der Schwerpunkt liegt weniger auf einer direkten Beeinflussung der Darmflora, sondern auf indirekten Effekten über entzündungsregulierende, neuroprotektive und stressmodulierende Signalwege. Klinische Studien beim Menschen zeigen bislang keine konsistenten Effekte auf das Mikrobiom, liefern jedoch wichtige Hinweise zur Sicherheit, Dosierung und Abgrenzung präklinischer von klinisch relevanter Evidenz.

Wie wird CBD aktuell im gastrointestinalen Kontext erforscht?

Zukünftig wird erwartet, dass Forschungsansätze stärker personalisiert ausgerichtet sind. Unterschiede im Mikrobiom, im eCBome-Profil und im Entzündungsstatus könnten erklären, warum regulatorische Systeme bei manchen Menschen stabil funktionieren und bei anderen zu funktionellen Beschwerden beitragen. Darüber hinaus gewinnen kombinierte Strategien an Bedeutung, bei denen Ernährung, Mikrobiom-Modulation und gezielte Beeinflussung endocannabinoider Signalwege gemeinsam betrachtet werden.

Forschungsbereich

Aktueller Stand

Zukünftige Ansätze

Mikrobiom–ECS-Achse

Überwiegend präklinische und mechanistische Evidenz; starke Hinweise auf bidirektionale Regulation

Humanstudien mit integrierter Mikrobiom- und Lipidom-Analyse

Endocannabinoidom (eCBome)

Etabliertes Konzept in der Grundlagenforschung

Identifikation spezifischer Zielstrukturen für individualisierte Interventionen

Darmbarriere & Entzündung

Gute Evidenz für regulatorische Rolle des ECS in Modellen

Translation in klinische Marker für Barrierefunktion

CBD im GI-Kontext

Heterogene präklinische Daten, begrenzte Humanstudien

Langzeit- und Dosisstudien mit klar definierten Endpunkten

Ernährung & ECS

Klare Zusammenhänge zwischen Diät, Lipidmediatoren und Entzündung

Personalisierte Ernährungskonzepte zur eCBome-Modulation

Ganzheitliche Therapiekonzepte

Fragmentierte Betrachtung einzelner Faktoren

Multimodale Ansätze (Ernährung, Mikrobiom, Stress, ECS)

Die zukünftige Forschung wird sich weniger auf einzelne Substanzen oder isolierte Systeme konzentrieren, sondern auf das Zusammenspiel von Ernährung, Mikrobiom und endocannabinoider Regulation. CBD ist in diesem Kontext nicht als alleinige Lösung, sondern als möglicher Bestandteil eines komplexen, individuell unterschiedlichen Regulationssystems zu verstehen. Dieses integrative Forschungsverständnis bildet die Grundlage für realistische, evidenzbasierte Perspektiven im Bereich der Darmgesundheit.

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Philip Schmiedhofer, MSc

Philip Schmiedhofer, MSc

Philip ist Geschäftsführer und Mitgründer der cannhelp GmbH. Mit einem Studium der Medizintechnik und Molekularbiologie, spezialisiert auf Neurowissenschaften und dem Fokus auf Cannabinoide, gilt er als anerkannter Experte für die Anwendung von Cannabinoiden in der Medizin. Als Medizinprodukteberater leitet er auch den Vertrieb von cannmedic und bietet spezialisierte Beratung für medizinische Fachkreise. Seine Expertise umfasst die Entwicklung und den Vertrieb von Cannabinoid-basierten Produkten. Im Bereich Forschung beteiligt er sich an bedeutender Grundlagenforschung am Zentrum für Hirnforschung der Medizinischen Universität Wien. Als Mitgründer und aktueller Geschäftsführer der cannmedic GmbH, einem Vorreiter im CBD-Medizinproduktehandel, verfügt er über langjährige unternehmerische Erfahrung. Darüber hinaus unterhält er ein weitreichendes Netzwerk in der Branche und berät international agierende Unternehmen im Bereich medizinischer Cannabinoide.