Mikrobiom und Hämorrhoiden
Inhaltsverzeichnis
Was sind Hämorrhoiden und welche Ursachen und Risikofaktoren begünstigen sie
Welche Bedeutung hat die Stuhlregulation für den Enddarm?
Wie beeinflusst das Darmmikrobiom die Stuhlbeschaffenheit?
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Darmflora und chronischer Verstopfung?
Wie hängen Entzündungen im Enddarm mit einem mikrobiellen Ungleichgewicht zusammen?
Wie beeinflusst das Darmmikrobiom Schleimhautreizungen im Enddarm?
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Ernährung, Mikrobiom und proktologischen Beschwerden?
Welche Rolle spielen fermentierte Lebensmittel bei empfindlichem Enddarm?
Was bedeutet eine ganzheitliche Unterstützung bei Hämorrhoiden?
Wie lassen sich durch Prävention Darmflora stabilisieren und Beschwerden reduzieren?
Was sind Hämorrhoiden und welche Ursachen und Risikofaktoren begünstigen sie
Hämorrhoiden sind keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern gut durchblutete Gefäßpolster im Enddarm. Sie übernehmen eine wichtige Funktion bei der Feinabdichtung des Analkanals. Erst wenn diese Gefäßpolster vergrößert, verlagert oder dauerhaft belastet werden, entstehen Beschwerden, die als Hämorrhoidalleiden bezeichnet werden.

Wie entstehen hämorrhoidale Beschwerden?
In der Regel ist eine chronische Druck- und Belastungssituation im Enddarm die Ursache für die Entstehung von Hämorrhoiden. Wiederholtes starkes Pressen beim Stuhlgang, eine ungünstige Stuhlkonsistenz oder eine verlängerte Verweildauer des Stuhls im Enddarm erhöhen den Druck auf die Gefäßstrukturen. Mit der Zeit kann dies zu einer Erweiterung und Funktionsstörung der Hämorrhoidalpolster führen.
Zentrale Ursachen im Überblick
Die wichtigsten Ursachen lassen sich funktionell zusammenfassen:
- Chronische Verstopfung mit hartem Stuhl
- Unregelmäßiger Stuhlgang oder häufiges Pressen
- Veränderungen der Stuhlkonsistenz, etwa durch Ernährungsfaktoren.
- Langes Sitzen, insbesondere auf der Toilette
- Erhöhter Druck im Bauchraum, beispielsweise durch Übergewicht oder Schwangerschaft.
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Risikofaktor |
Funktioneller Einfluss auf den Enddarm |
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Harter Stuhl |
Erhöht mechanische Belastung und Pressdruck |
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Chronische Obstipation |
Dauerhafte Druckbelastung der Gefäßpolster |
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Ballaststoffarme Ernährung |
Ungünstige Stuhlbeschaffenheit |
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Bewegungsmangel |
Verlangsamte Darmbewegung |
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Langes Sitzen |
Verstärkte venöse Stauung im Enddarm |
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Alter |
Abnahme der Gewebespannung |
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Schwangerschaft |
Erhöhter intraabdomineller Druck |
Medizinische Einordnung
Hämorrhoiden entstehen nicht plötzlich und sind auch keine Folge einzelner Ernährungsfehler. Sie entwickeln sich vielmehr über längere Zeit durch das Zusammenwirken mehrerer Risikofaktoren. Eine nachhaltige Herangehensweise zielt entsprechend darauf ab, belastende Faktoren zu reduzieren, insbesondere durch eine stabile Stuhlregulation und die Entlastung des Enddarms.
Welche Bedeutung hat die Stuhlregulation für den Enddarm?
Der Enddarm „leidet” nicht primär unter Krankheiten, sondern unter ungünstigen Entleerungsbedingungen. Die Stuhlregulation entscheidet darüber, ob der Enddarm entlastet wird oder dauerhaft überfordert ist.

Der Enddarm als Belastungssensor
Der Enddarm ist kein Verdauungsorgan, sondern ein sensibler Speicher- und Kontrollbereich. Er reagiert nicht auf Nährstoffe, sondern auf Druck, Dehnung, Reibung und Zeit. Genau hier setzt die Stuhlregulation an.
- Wie oft Stuhl entleert wird
- wie lange der Stuhl im Enddarm verbleibt
- und wie viel Druck beim Entleeren notwendig ist, bestimmt, ob der Enddarm funktionell stabil bleibt oder gereizt wird.
Diese drei Faktoren bestimmen, ob der Enddarm funktionell stabil bleibt oder gereizt wird.
Was bei gestörter Stuhlregulation konkret passiert
Stuhlregulation wirkt nicht abstrakt, sondern mechanisch:
- Zu harter Stuhl → erhöhter Pressdruck → Überdehnung von Schleimhaut und Gefäßpolstern
- Zu weicher oder häufiger Stuhl → feuchtes, reizanfälliges Milieu → Schleimhautstress
- Unregelmäßiger Stuhlgang → wechselnde Belastung → fehlende Anpassung des Gewebes
Der Enddarm ist dabei der Abschnitt, der diese Belastungen nicht kompensieren kann, sondern direkt „abbekommt“.
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Alltagssituation |
Effekt auf den Enddarm |
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Stuhlgang nur alle paar Tage |
Längere Druckphase im Enddarm |
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Starkes Pressen |
Akute Gefäß- und Schleimhautbelastung |
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„Sitzmarathon“ auf der Toilette |
Venöse Stauung im Analbereich |
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Wechsel zwischen hartem und weichem Stuhl |
Reizstress ohne Erholungsphase |
Eine gestörte Stuhlregulation ist keine Diagnose, aber einer der relevantesten funktionellen Risikofaktoren für:
- Hämorrhoiden
- Schleimhautreizungen
- Afterbrennen und -jucken
- proktologische Beschwerdeverläufe
Sie wirkt dabei verstärkend, nicht allein verursachend.
Wie beeinflusst das Darmmikrobiom die Stuhlbeschaffenheit?
Ursache → Prozess → Ergebnis
Ursache: Das Darmmikrobiom bestimmt, wie Nahrungsreste im Dickdarm weiterverarbeitet werden, nachdem die eigentliche Verdauung abgeschlossen ist.

Prozess: Im Dickdarm verstoffwechseln Darmbakterien unverdauliche Bestandteile. Dabei beeinflussen sie drei entscheidende Stellschrauben der Stuhlbeschaffenheit:
- Wasserbindung im Darminhalt
- Gasbildung und Volumen
- Struktur und Gleitfähigkeit des Stuhls
Je nach Zusammensetzung und Aktivität des Mikrobioms wird mehr oder weniger Wasser gebunden, der Stuhl wird fester, weicher oder unregelmäßig geformt.
Ergebnis: Ein ausgewogenes Mikrobiom begünstigt in der Regel einen gleichmäßig geformten, gut gleitfähigen Stuhl, während ein gestörtes mikrobielles Gleichgewicht mit hartem, klumpigem oder wechselhaftem Stuhl assoziiert sein kann.
Zwei typische Szenarien aus der Praxis
Szenario 1: Reduzierte mikrobielle Aktivität
- Weniger bakterielle Fermentation
- Geringere Wasserbindung
→ Trockener, harter Stuhl
Wenn die mikrobielle Aktivität im Dickdarm vermindert ist, werden unverdauliche Nahrungsbestandteile nur eingeschränkt weiterverarbeitet. Dadurch kann weniger Wasser im Darminhalt gebunden werden, sodass der Stuhl zunehmend eindickt. Die verringerte bakterielle Fermentation verändert zudem die Struktur des Stuhls, sodass er fester und trockener wird. In der Folge steigt der mechanische Widerstand beim Stuhlgang, sodass häufig stärker gepresst werden muss. Dies bedeutet eine erhöhte Belastung der Schleimhaut und der Gefäßstrukturen im Enddarm, insbesondere wenn dieser Zustand über längere Zeit anhält.
Szenario 2: Dysbalanciertes Mikrobiom
- Ungleichmäßige Stoffwechselprozesse
- Schwankende Wasserverteilung
→ Wechsel zwischen hartem und weichem Stuhl
Ein dysbalanciertes Darmmikrobiom führt zu ungleichmäßig verlaufenden mikrobiellen Stoffwechselprozessen. Einige Bakteriengruppen sind überrepräsentiert, während andere fehlen. Dadurch wird die Regulation von Wasserbindung und Stuhlstruktur instabil. Dies kann dazu führen, dass sich Phasen mit sehr festem Stuhl mit Phasen weicheren oder breiigen Stuhls abwechseln. Solche Schwankungen stellen eine besondere Herausforderung für den Enddarm dar, da sich die Schleimhaut und das Gewebe nicht an gleichbleibende Belastungsverhältnisse anpassen können. Die Folge ist eine erhöhte Reizanfälligkeit des Enddarmbereichs, selbst wenn keine eigenständige Erkrankung vorliegt.
Beide Situationen erhöhen die mechanische Belastung beim Stuhlgang – insbesondere für den Enddarm.
Warum das Mikrobiom kein „Stuhlmacher“ ist
Wichtig ist die funktionelle Abgrenzung:
Das Darmmikrobiom produziert keinen Stuhl, sondern moduliert dessen Eigenschaften. Ernährung, Flüssigkeitszufuhr und Darmbewegung bleiben zentrale Faktoren, das Mikrobiom wirkt regulierend im Hintergrund.
Enddarmrelevante Konsequenz
Da die Stuhlbeschaffenheit maßgeblich bestimmt,
- wie stark gepresst werden muss
- wie viel Reibung entsteht
- wie lange der Stuhl im Enddarm verbleibt
wirkt das Darmmikrobiom indirekt, aber entscheidend auf die Belastung des Enddarms.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Darmflora und chronischer Verstopfung?
Zwischen chronischer Verstopfung und Darmflora besteht eine wechselseitige Beziehung. Eine gestörte Darmflora kann Verstopfung und Darmträgheit verstärken, während anhaltende Verstopfung wiederum das mikrobielle Gleichgewicht im Darm beeinträchtigt.
Es besteht ein funktioneller Zusammenhang, jedoch kein einfacher Ursache-Wirkungs-Mechanismus.

Chronische Verstopfung entsteht in der Regel nicht durch einen einzelnen Auslöser. Die Darmflora wirkt dabei nicht als alleinige Ursache, sondern als verstärkender oder stabilisierender Faktor innerhalb eines Kreislaufs, der die Stuhlentleerung zunehmend erschwert.
Wie genau die Darmflora in den Verstopfungsprozess eingebunden ist, ist noch nicht vollständig geklärt.
Im Dickdarm beeinflusst die Darmflora, wie intensiv unverdauliche Nahrungsreste weiterverarbeitet werden. Ist die mikrobielle Aktivität vermindert oder unausgeglichen, verlangsamen sich diese Prozesse. Der Darminhalt verweilt länger im Dickdarm, wodurch dem Stuhl zunehmend Wasser entzogen wird. Das Ergebnis ist ein fester, trockener Stuhl, der nur schwer weitertransportiert werden kann.
Gleichzeitig beeinflusst die Darmflora die Darmbewegung indirekt über mikrobielle Stoffwechselprodukte. Ist dieses Signalgleichgewicht gestört, kann die natürliche Weiterleitung des Darminhalts träger werden. Die Folge ist eine verlängerte Transitzeit, die die Verstopfung weiter verstärkt.
Der Teufelskreis der chronischen Verstopfung
Chronische Verstopfung entwickelt sich häufig zu einem sich selbst aufrechterhaltenden Kreislauf: Ein verlangsamter Stuhltransport verändert das Darmmilieu. Dieses ungünstige Milieu beeinträchtigt wiederum die Darmflora, was die Stuhlverhärtung weiter verstärkt. Mit zunehmender Dauer passt sich der Darm an diese Situation an, wodurch der natürliche Entleerungsreiz abgeschwächt wird.
Bedeutung für den Enddarm
Für den Enddarm bedeutet chronische Verstopfung eine dauerhafte mechanische Belastung. Harter Stuhl und wiederholtes Pressen erhöhen den Druck auf Schleimhaut und Gefäßstrukturen. Auch wenn die Darmflora nicht die primäre Ursache der Verstopfung ist, trägt sie dazu bei, dass sich diese Belastung verfestigt und chronifiziert.
Funktionelle Einordnung
Wichtig ist die sachliche Abgrenzung: Die Darmflora ist kein Auslöser im medizinischen Sinne, sondern moduliert die Stuhlbeschaffenheit und die Darmbewegung. Eine gestörte Darmflora kann eine bestehende Verstopfung verschlechtern oder aufrechterhalten, sie ist jedoch nicht für jede Form chronischer Obstipation verantwortlich.
Wie hängen Entzündungen im Enddarm mit einem mikrobiellen Ungleichgewicht zusammen?
Entzündungen im Enddarm stehen häufig im Zusammenhang mit einem gestörten mikrobiellen Gleichgewicht. Dieses macht das Schleimhautmilieu empfindlicher. Das Mikrobiom beeinflusst somit zwar nicht direkt die Entstehung von Entzündungen, ist jedoch entscheidend dafür, wie widerstandsfähig der Enddarm gegenüber alltäglichen Belastungen ist.

Wenn das Gleichgewicht verloren geht
Ein mikrobielles Ungleichgewicht im Darm wirkt sich nicht nur auf die Verdauung und die Beschaffenheit des Stuhls aus, sondern kann auch die Empfindlichkeit des Enddarms gegenüber Reizen deutlich erhöhen. Entzündungen im Enddarm entstehen dabei selten isoliert, sondern entwickeln sich häufig auf dem Boden eines dauerhaft gestörten lokalen Darmmilieus.
Die Rolle des Darmmilieus im Enddarm
Der Enddarm ist besonders anfällig für Veränderungen des Darmmilieus, da seine Schleimhaut regelmäßig mit konzentriertem Darminhalt in Kontakt kommt. Gerät das mikrobielle Gleichgewicht aus der Balance, verändern sich die Zusammensetzung und die Eigenschaften des Stuhls sowie die chemischen Rahmenbedingungen im Enddarm. Dies kann dazu führen, dass die Schleimhaut weniger widerstandsfähig gegenüber mechanischen und chemischen Reizen wird.
Mikroorganismen als indirekte Einflussfaktoren
Ein mikrobielles Ungleichgewicht bedeutet jedoch nicht zwingend das Vorhandensein „schädlicher Keime“, sondern häufig ein Missverhältnis funktionell wichtiger Bakteriengruppen. Dadurch können regulierende Prozesse abgeschwächt werden, die normalerweise zur Stabilität der Schleimhaut beitragen. Die Folge ist eine erhöhte Reizbereitschaft, bei der selbst alltägliche Belastungen wie Stuhlgang oder Feuchtigkeit entzündliche Reaktionen begünstigen können.
Entzündliche Reaktionen sind ein Schutzmechanismus
Entzündungen im Enddarm sind zunächst eine Abwehr- und Schutzreaktion des Körpers. Bei anhaltendem mikrobiellen Ungleichgewicht werden diese Reaktionen jedoch immer wieder ausgelöst, ohne dass ausreichend Erholungsphasen entstehen. Dies kann zu chronischen Reizzuständen führen, die sich durch Brennen, ein Druckgefühl oder eine erhöhte Schleimhautempfindlichkeit äußern.
Abgrenzung zu spezifischen Erkrankungen
Nicht jede entzündliche Reaktion im Enddarm ist Ausdruck einer eigenständigen Erkrankung, wie einer infektiösen oder chronisch-entzündlichen Proktitis. Oft handelt es sich um funktionelle Entzündungsprozesse, die durch ein ungünstiges Darmmilieu, Stuhlprobleme oder mechanische Belastungen begünstigt werden. Anhaltende oder zunehmende Beschwerden sollten jedoch immer ärztlich abgeklärt werden.
Einordnung für den Gesamtzusammenhang
Ein mikrobielles Ungleichgewicht wirkt im Enddarm nicht als alleiniger Auslöser, sondern als Verstärker entzündlicher Prozesse. In Kombination mit harter Stuhlkonsistenz, häufigem Pressen oder Feuchtigkeit kann es dazu beitragen, dass sich entzündliche Reizzustände verfestigen.
Wie beeinflusst das Darmmikrobiom Schleimhautreizungen im Enddarm?
Das Darmmikrobiom beeinflusst Schleimhautreizungen nicht direkt, sondern über das Darmmilieu und die Beschaffenheit des Stuhls. Ein stabiles mikrobielles Gleichgewicht trägt dazu bei, die Schleimhaut widerstandsfähig zu halten und funktionelle Reizzustände im Enddarm zu verringern.
Vom Mikrobiom zur Schleimhaut – eine Reizkette
Schleimhautreizungen im Enddarm entstehen in der Regel nicht durch einzelne Auslöser, sondern durch eine funktionelle Reizkette, deren Anfang oft das Darmmikrobiom bildet. Dabei wirkt das Mikrobiom nicht direkt schädigend, sondern beeinflusst die Bedingungen, unter denen die Schleimhaut belastet oder geschützt wird.
Schritt 1: Mikrobielles Gleichgewicht und Darmmilieu
Ein ausgewogenes Darmmikrobiom trägt zu einem stabilen Darmmilieu bei. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance, verändern sich die Zusammensetzung und die Eigenschaften des Darminhalts. Dazu zählen unter anderem der pH-Wert, die Wasserbindung und die chemische Zusammensetzung des Stuhls. Diese Faktoren bestimmen, wie reizarm oder reizintensiv der Kontakt zwischen Stuhl und Schleimhaut ausfällt.
Schritt 2: Schleimhaut als Kontaktfläche
Die Schleimhaut im Enddarm ist dauerhaft mechanischen und chemischen Einflüssen ausgesetzt. Ist das Darmmilieu ungünstig, wird die Schleimhaut anfälliger für Mikroreizungen – selbst bei alltäglichen Belastungen wie dem Stuhlgang oder längerem Kontakt mit Feuchtigkeit. Dadurch kann die natürliche Schutzfunktion der Schleimhaut abgeschwächt werden.
Schritt 3: Reizung statt Entzündung
Schleimhautreizungen sind nicht automatisch entzündliche Erkrankungen. Häufig handelt es sich um funktionelle Reizzustände, die sich durch Brennen, Jucken oder ein unangenehmes Druckgefühl äußern. Ein mikrobielles Ungleichgewicht kann diese Reizzustände begünstigen, indem es die Reizschwelle der Schleimhaut senkt.
Warum das Mikrobiom kein direkter Auslöser ist
Wichtig ist die medizinische Abgrenzung:
Das Darmmikrobiom verursacht keine Schleimhautreizungen im Sinne einer Erkrankung. Es wirkt vielmehr als Modulator, der entscheidet, wie widerstandsfähig die Schleimhaut gegenüber mechanischen, chemischen und feuchtigkeitsbedingten Belastungen ist.
Bedeutung für den Enddarm
Da der Enddarm der Abschnitt ist, in dem der Stuhl zwischengespeichert wird, wirken sich Veränderungen des Darmmikrobioms hier besonders deutlich aus. Ein dauerhaft ungünstiges Darmmilieu kann dazu führen, dass Schleimhautreizungen häufiger auftreten oder länger anhalten, selbst wenn keine spezifische Erkrankung vorliegt.
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Ernährung, Mikrobiom und proktologischen Beschwerden?
Proktologische Beschwerden sind in der Regel das Ergebnis eines Zusammenspiels aus Ernährung, Mikrobiom und Stuhlregulation und nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückzuführen. Ernährung und Mikrobiom verursachen zwar keine proktologischen Erkrankungen im engeren Sinne, beeinflussen jedoch maßgeblich, wie stark der Enddarm belastet wird. Somit wirken sie als relevante Begleit- und Verstärkungsfaktoren im Beschwerdegeschehen.

Drei Ebenen – ein funktioneller Zusammenhang
Proktologische Beschwerden entstehen selten isoliert. In vielen Fällen wirken Ernährung, Darmmikrobiom und Enddarmbelastung als miteinander verknüpfte Ebenen, die sich gegenseitig beeinflussen und Beschwerden verstärken oder abschwächen können.
Ebene 1: Ernährung als Ausgangspunkt
Die Ernährung legt die Grundlage für den Darminhalt, der den Enddarm erreicht. Art, Zusammensetzung und Regelmäßigkeit der Nahrung beeinflussen Stuhlvolumen, Wassergehalt und Gleitfähigkeit. Eine ballaststoffarme, unausgewogene Ernährung begünstigt harte oder unregelmäßige Stühle, während eine angepasste Ernährung zu stabileren Entleerungsbedingungen beitragen kann.
Ebene 2: Mikrobiom als vermittelnde Instanz
Das Darmmikrobiom verarbeitet die Nahrungsreste weiter und entscheidet darüber, wie der Stuhl strukturiert und reguliert wird. Eine ausgewogene mikrobielle Aktivität unterstützt ein stabiles Darmmilieu, während ein Ungleichgewicht die Stuhlbeschaffenheit destabilisieren kann. Das Mikrobiom wirkt dabei nicht krankheitsauslösend, sondern modulierend auf die funktionellen Rahmenbedingungen im Darm.
Ebene 3: Der Enddarm als Belastungspunkt
Der Enddarm ist der Abschnitt, der die funktionellen Konsequenzen von Ernährung und Mikrobiom unmittelbar erfährt. Eine ungünstige Stuhlkonsistenz, häufiges Pressen oder ein reizanfälliges Darmmilieu können zu einer erhöhten mechanischen und chemischen Belastung der Schleimhaut führen. Dies kann proktologische Beschwerden wie Brennen, Jucken, ein Druckgefühl oder hämorrhoidale Symptome begünstigen.
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Beschwerde |
Funktioneller Bezug zu Ernährung & Mikrobiom |
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Hämorrhoiden |
Pressbelastung durch harte oder wechselhafte Stühle |
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Afterbrennen / -jucken |
Reizanfälliges Darmmilieu, feuchte Bedingungen |
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Schleimhautreizungen |
Ungünstige Stuhlstruktur, verlängerte Kontaktzeit |
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Analfissur (funktionell begünstigt) |
Erhöhter Widerstand beim Stuhlgang |
Welche Rolle spielen fermentierte Lebensmittel bei empfindlichem Enddarm?
Bei empfindlichem Enddarm ist es nicht entscheidend, ob fermentierte Lebensmittel „gut oder schlecht“ sind, sondern wie sie sich auf die Stuhlbeschaffenheit und das persönliche Beschwerdeempfinden auswirken.

Abwägen statt Pauschalempfehlung
Bei einem empfindlichen Enddarm sind fermentierte Lebensmittel weder grundsätzlich problematisch noch automatisch hilfreich. Entscheidend ist, wie sie sich auf das Stuhlverhalten und das lokale Darmmilieu auswirken und wie gut sie individuell vertragen werden.
Potenzielle Vorteile aus funktioneller Sicht
Fermentierte Lebensmittel bringen bereits mikrobiell vorverarbeitete Strukturen mit. In Kombination mit einer angepassten Ernährung können sie dazu beitragen, dass der Stuhl gleichmäßiger geformt ist und sich leichter entleeren lässt. Eine stabile Stuhlkonsistenz reduziert die mechanische Belastung des Enddarms und kann Reizzustände somit indirekt abmildern.
Zudem beeinflussen fermentierte Lebensmittel das Darmmilieu, was sich bis in den Enddarm auswirkt. Ein ausgeglicheneres Milieu kann die Schleimhaut weniger anfällig für Reibung, Feuchtigkeit und chemische Reize machen.
Mögliche Herausforderungen bei empfindlichem Enddarm
Gleichzeitig enthalten fermentierte Lebensmittel organische Säuren und aktive Stoffwechselprodukte, die von empfindlichen Personen als irritierend empfunden werden können. Insbesondere stark fermentierte Produkte oder größere Mengen können bei manchen Betroffenen zu vermehrtem Stuhldrang, weicherem Stuhl oder einem Brenngefühl im Enddarm führen.
Ein empfindlicher Enddarm reagiert in der Regel nicht auf das Lebensmittel selbst, sondern auf die veränderte Stuhlbeschaffenheit oder Entleerungsfrequenz.
Individuelle Verträglichkeit als Leitprinzip
Bei einem empfindlichen Enddarm sollten fermentierte Lebensmittel daher langsam, in kleinen Mengen und gut verteilt in den Alltag integriert werden. Mild fermentierte Varianten werden häufig besser vertragen als stark gereifte Produkte. Wichtig ist eine aufmerksame Selbstbeobachtung, um zu erkennen, wie sich der Stuhlgang und das Enddarmgefühl entwickeln.
Funktionelle Einordnung
Fermentierte Lebensmittel sind keine Behandlung für Enddarmbeschwerden. Sie können jedoch – bei guter individueller Verträglichkeit – Teil einer Ernährung sein, die den Enddarm funktionell entlastet, indem sie zu stabileren Stuhlverhältnissen beiträgt.
Was bedeutet eine ganzheitliche Unterstützung bei Hämorrhoiden?
Ganzheitliche Unterstützung bei Hämorrhoiden bedeutet, Ursachen zu entlasten, den Enddarm funktionell zu schützen und lokale Maßnahmen gezielt zu ergänzen – statt Symptome isoliert zu behandeln. Hämorrhoiden sind eine proktologische Erkrankung, deren Behandlung ärztlich begleitet werden sollte. Ganzheitliche Maßnahmen – bestehend aus Stuhlregulation, darmfreundlicher Ernährung, Lebensstilanpassung und lokaler Schleimhautpflege mit Medizinprodukten wie CANNEFF® SUP – verstehen sich als unterstützendes Gesamtkonzept, nicht als Ersatz medizinischer Therapie.

Es ist nicht eine Maßnahme, sondern ein Zusammenspiel.
Hämorrhoiden lassen sich nicht durch einen einzelnen Ansatz langfristig beeinflussen. Eine ganzheitliche Unterstützung setzt daher dort an, wo die Beschwerden entstehen: bei der Stuhlregulation, der Entlastung des Enddarms und dem Schutz der Schleimhaut. Das Ziel besteht darin, belastende Faktoren zu reduzieren und die natürlichen Funktionen des Enddarms zu unterstützen.
1. Funktionelle Entlastung durch Stuhlregulation
Eine gleichmäßige und gut verträgliche Stuhlkonsistenz ist dafür die wichtigste Grundlage. Sie reduziert das Pressen, verkürzt die Entleerungszeit und senkt den Druck auf die Gefäßpolster. Hier wirken Ernährung, Flüssigkeitszufuhr und ein geregelter Toilettenrhythmus als zentrale Stellschrauben.
2. Berücksichtigung des Darmmilieus und des Mikrobioms
Das Darmmikrobiom beeinflusst die Form des Stuhls und sorgt dafür, dass das Darmmilieu reizarm bleibt. Eine ausgewogene Ernährung, gegebenenfalls ergänzt durch gut verträgliche fermentierte Lebensmittel, kann dazu beitragen, funktionelle Belastungen im Enddarm zu verringern, ohne als Therapie verstanden zu werden.
3. Lokale Unterstützung der Enddarmschleimhaut
Neben funktionellen Maßnahmen spielt die lokale Pflege und Regeneration der Schleimhaut eine wichtige Rolle. Hier kommen konventionelle Medizinprodukte zum Einsatz.
CANNEFF® SUP Zäpfchen mit CBD und Hyaluronsäure werden unterstützend angewendet, um die Enddarmschleimhaut zu befeuchten, zu schützen und ihre Regeneration zu fördern. Hyaluronsäure trägt zur Bindung von Feuchtigkeit bei, während CBD entzündungsmodulierende Eigenschaften besitzt. Die Anwendung erfolgt lokal und ergänzt ernährungs- und lebensstilbezogene Maßnahmen, ohne diese zu ersetzen.
4. Lebensstil als stabilisierender Faktor
Regelmäßige Bewegung, stressreduzierende Routinen und das Vermeiden langen Sitzens – insbesondere auf der Toilette – wirken unterstützend. Sie helfen, venöse Stauungen im Enddarm zu reduzieren und funktionelle Belastungen nicht weiter zu verstärken.
Wie lassen sich durch Prävention Darmflora stabilisieren und Beschwerden reduzieren?
Prävention bei enddarmbezogenen Beschwerden bedeutet, die Darmflora zu stabilisieren und funktionelle Belastungen frühzeitig zu reduzieren – bevor sich Symptome entwickeln oder chronisch werden.

Prävention beginnt vor dem Symptom
Proktologische Beschwerden entwickeln sich meist schleichend. Prävention setzt daher nicht erst bei Schmerzen oder sichtbaren Veränderungen an, sondern bei der Stabilisierung funktioneller Grundlagen, insbesondere der Darmflora und der Stuhlregulation.
Der präventive Hebel: ein stabiles Darmmilieu.
Eine ausgeglichene Darmflora sorgt dafür, dass der Darminhalt gleichmäßig verarbeitet wird und der Stuhl weder zu hart noch zu reizend ist. Dadurch sinkt die mechanische Belastung im Enddarm. Prävention bedeutet in diesem Zusammenhang nicht „Eingreifen“, sondern das Vermeiden von Belastungen, bevor sie entstehen.
Drei präventive Stellschrauben im Alltag
1. Regelmäßigkeit statt Perfektion: Ein stabiler Rhythmus bei Mahlzeiten und Stuhlgang unterstützt die Darmbewegung und verhindert, dass der Stuhl zu lange im Dickdarm verweilt.
2. Darmflora nicht reizen, sondern begleiten: Eine ballaststoffreiche und gut verträgliche Ernährung bildet die Basis. Fermentierte Lebensmittel können – individuell angepasst – ergänzend wirken, sofern sie die Stuhlkonsistenz stabilisieren und nicht zu Reizungen führen.
3. Den Enddarm frühzeitig entlasten: Auch ohne akute Beschwerden lohnt es sich, Pressen, langes Sitzen auf der Toilette und wechselnde Stuhlverhältnisse zu vermeiden. Prävention zeigt sich hier vor allem im Weglassen belastender Gewohnheiten.
Was Prävention nicht ist
Prävention bedeutet keine Daueranwendung von Produkten und keine Selbstbehandlung möglicher Erkrankungen. Sie ersetzt weder ärztliche Diagnostik noch Therapie, sondern zielt darauf ab, funktionelle Risikofaktoren zu minimieren, bevor Beschwerden entstehen oder sich verfestigen.
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Präventiver Ansatz |
Wirkung auf Beschwerden |
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Stabile Darmflora |
Gleichmäßigere Stuhlbeschaffenheit |
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Geregelter Stuhlgang |
Weniger Pressdruck |
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Reizarmes Darmmilieu |
Entlastung der Schleimhaut |
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Bewusster Lebensstil |
Reduktion funktioneller Belastungen |
Quellen:
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Quellenverzeichnis anzeigen